Biographien außergewöhnlicher Jazzmusiker – 4 Buch Empfehlungen

Eine gut geschriebene Biographie kann völlig neue Welten erschließen. Wer mehr über Fred Hersch, Thelonious Monk, John Coltrane oder Chet Baker erfahren möchte, findet unter den hier vorgestellten Büchern sicherlich spannenden Lesestoff.

Oft sind es genau die scheinbaren Nebensächlichkeiten, die ein tieferes Verständnis für das Leben und die Musik dieser interessanten Persönlichkeiten schaffen. Das ist es auch, was diese vier hier vorgestellten Bücher - trotz ihrer Gegensätzlichkeit - miteinander verbindet: Sie machen neugierig, neue Musik zu entdecken, sich auf sie einzulassen und sie mit anderen Ohren zu hören.

Fred Hersch. Good Things Happen Slowly

Dieses Buch ist bei weitem mehr als eine gewöhnliche Autobiographie. Fred Hersch spannt den erzählerischen Bogen wie bei einer gelungen, mitreißenden Improvisation. Er schreibt ohne Tabus über die wichtigsten Stationen in seinem Leben, die ihn von Cincinnati nach New York führen, wo er ab den späten 1970er Jahren mit Jazzgrößen wie Art Farmer und Joe Henderson gemeinsam spielt und von ihnen lernt.

Doch Fred Hersch ist permanent auf der Suche nach größerer musikalischer und persönlicher Freiheit. Als einer der ersten homosexuellen Jazzmusiker, die sich persönlich in der Öffentlichkeit geoutet haben, und nach eigener HIV-Diagnose hat er mit zahlreichen Rückschlägen zu kämpfen und beschreibt ganz ohne Pathos, wie er an diesen Herausforderungen als Musiker und Mensch wächst.

Ein inspirierendes Buch über Musik, Kreativität und einer fast unglaublichen Rückkehr ins Leben und zur Musik - wunderbar ehrlich und unprätentiös erzählt.

Thelonious Monk. The Life and Times of an American Original (Robin D.G. Kelley)

Kelley gelingt es in seinem detaillierten und behutsamen Porträt über Thelonious Monk, zahlreiche Klischees auszuräumen und ein realistischeres Bild des Menschen Thelonious Monk zu vermitteln. Monk litt an einer bipolaren Störung und war dennoch in der Lage einzigartige Kompositionen fertig zu stellen und wichtige musikalische Innovationen einzubringen.

Kelley rückt die Vielschichtigkeit von Monks Persönlichkeit in den Vordergrund und lässt zahlreiche Weggefährten zu Wort kommen, die ihn als loyal und fürsorglich beschreiben. Außerdem bestärkte Monk viele Kolleg*innen darin, ihren eigenen Weg zu gehen und verfügte über einen besonderen Sinn für Humor, der sich auch in seiner Musik so unverkennbar widerspiegelt.

John Coltrane. The Story of a Sound (Ben Ratliff)

Auch dieses Buch ist keine trockene Aneinanderreihung biographischer Fakten. Stattdessen rückt Ben Ratliff, Musikkritiker der New York Times, die musikalische Entwicklung Coltranes ins Zentrum seiner Arbeit.

In verständlichen Worten wird Seite für Seite klarer, was die Musik Coltranes so faszinierend macht, woher seine Einflüsse kommen und was ihn angetrieben hat, ständig weiter zu suchen, um seinen Sound und seine musikalische Sprache weiterzuentwickeln. Dieses Buch ist packend wie Coltranes Musik selbst und hat für mich definitiv neue Zugänge zu vielen seiner Aufnahmen ermöglicht.

Chet Baker. His Life and Music (Jeroen de Valk)

Über wenige Ereignisse in der Jazzgeschichte ranken sich so viele Mythen und Legenden, wie über den Tod von Chet Baker, nach dessen Sturz aus einem Hotelzimmer in Amsterdam. Daher stellt de Valk dieses Ereignis auch an den Beginn seiner akribisch recherchierten Biographie und klärt einige Halbwahrheiten über Chet Bakers Ableben auf.

Unsentimental und dennoch respektvoll erzählt de Valk über die Höhen und Tiefen von Chet Bakers Leben und macht begreifbar, warum uns seine Musik nach wie vor so berührt. Chet Baker hat keine revolutionären Neuerungen in die Musik eingebracht, aber mit seiner zeitlosen und intuitiven Art zu musizieren, hat er sein Publikum direkt ins Herz getroffen.

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